Evangelisch in Marktredwitz
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Pfarrer Christoph Schmidt

Professor Dr. Franz Segbers:  Predigt zu afa- Vollversammlung am 30. April 2017 in der St. Bartholomäuskirche

Lazarus vor dem Tor: Lk 16, 19-31

2. Sonntag nach Ostern Miserikordias Domini am 30.04.2017 

Evang. Pfarrkirche Marktredwitz

Gottesdienst im Rahmen der afa-Vollversammlung in Marktredwitz

Gerechtigkeit – Solidarität und Freiheit 2017 - 500 Jahre PROTESTantismus

 

 

"Wir sind viele. Wir sind eins." So lautet das Motto des DGB in diesem Jahr.  Das Motto setzt ein hochaktuelles Thema. Es positioniert den DGB klar gegen Rechts. Denn die Rechtspopulisten behaupten, Partei des kleinen Mannes zu sein. Sie richten die Wut über die Ungerechtigkeit im Lande nicht gegen deren Verursacher sondern gegen Fremde, Ausländer, Flüchtlinge  – gegen alle die schwach sind. Dabei verdeckt die AfD, dass sie selber eine Partei ist, die den Reichen nutzt. Auf der Synode hat der Berliner Bischof Dröge unmissverständlich gesagt, dass Christen in der AfD nichts zu suchen haben.  Dieses Nein stellt er in die Tradition der Bekennenden Kirche. Er kritisiert, dass sich die AfD nicht klar und deutlich vom nationalsozialstischem Gedankengut abgrenzt. 

Kurz bevor der Zug der sogenannten Reformen mit Hartz IV und der Agenda 2010 aufs Gleis gesetzt wurde, haben die Kirchen in einem wichtigen Sozialwort noch einmal gewarnt. Sie hatten die Lage schon damals so beschreiben: Tiefe Risse gehen durch unser Land: Vor allem der von der Arbeitslosigkeit hervorgerufene Riss, aber auch der wachsende Riss zwischen Wohlstand und Armut. Gleichzeitig hatten die Kirchen gemahnt, es solle nicht nur über die Armut, sondern auch über den Reichtum in Deutschland geredet werden. 

Es gibt ein Gleichnis, mit dem sich das Christentum in das Gedächtnis der Menschen hineinerzählt hat und das hochaktuell ist: das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37). Gern nehmen die Gemeinden und Kirchen sich heute angesichts der anschwellenden Armut den barmherzigen Samariter zum Vorbild. Nicht wenige Kir-chengemeinden packen an und organisieren Tafeln, Sozialkaufhäuser, Kleiderkammern und weitere karitative Dienste zur Linderung der schlimmsten Not. Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter spricht vom Erbarmen angesichts der Lage des übel zugerichteten Mannes, der »unter die Räuber gefallen« (Lukas 10, 30) ist. Das Gleichnis lehrt: Gottes Willen erfüllt nur der, den fremdes Leid bewegt. Doch davon, was es mit Armut und Reichtum auf sich hat, erfahren wir nichts in dem Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, sondern in der Erzählung vom reichen Mann und von Lazarus. 

Lazarus vor dem Tor: Lk 16, 19-31

Lazarus liegt vor der Tür des reichen Mannes, voll von Geschwüren und lebt von Brosamen, die von dessen Tisch fallen, während die Hunde des Reichen ihm die Geschwüre lecken. Anschaulicher kann man den Tod bei lebendigem Leib kaum beschreiben. Deutlicher kann man kaum zeigen, dass es nicht reicht, auf das bessere Leben im Jenseits zu warten. Was haben die Lazarusse, die es auch heute gibt, noch zu erwarten? Wer glaubt schon noch daran, dass der Arme am Ende von Engeln in Abrahams Schoß getragen wird? Vertröstung funktioniert nicht mehr. 

Mit drei Sätzen aus der Erzählung vom reichen Mann und dem armen Lazarus möchte ich darauf eine Antwort geben. 

Der erste Schlüsselsatz: „Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür“ (Lk 16, 20) 

Das Gleichnis spricht von einem Mann vor, der reich war. Der Reiche wird nicht als Dieb, Ausbeuter, Wucherer oder Blutsauger dargestellt. Und doch steht er für eine alltägliche Mitleidlosigkeit. Er foltert nicht, raubt nicht, tötet nicht und produziert doch die Lazarusse unserer Zeit. 

Dann gibt es einen zweiten Mann, der an der Tür des Reichen lag. Wir lernen ihn mit Namen kennen: Lazarus. Das hebräische Wort „Lazarus“ bedeutet auf Deutsch: Gott hilft - den Lazarussen aller Zeiten.  – Wie aber verhilft Gott dem Lazarus zu seinem Recht?

Lazarus ist nicht vom Himmel gefallen, sondern liegt vor unseren Türen. Lazarus hat heute den Namen Leiharbeit, Niedriglohn, Hartz IV, Minijob, Armutsrente, Sozialgeld. Abhilfe ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Armutsquote steigt seit Jahren kontinuierlich an und zwar so schnell wie in keinem anderen westeuropäischen Land. Die Schere zwischen den Armen und der übrigen Gesellschaft weitet sich. 

Die Reichen habe eine Kunst entwickelt, das Risiko der Armut den Armen individuell zuzurechnen. Wie Reichtum der Segen eigener Leistung ist, so Armut die Folge fehlenden Leistungswillen. Tatsache ist, dass nahezu alle Erwerbslose bereit sind zu Arbeit um jeden Preis und zu jedem Preis zu übernehmen. Wie wäre sonst zu erklären, dass es über 1,2 Millionen Menschen gibt, die arbeiten und doch Hartz IV bekommen, weil der Lohn zum Leben nicht reicht. 

Der zweite Schlüsselsatz lautet: „Er wünschte sich von dem, was vom Tische fiel, gesättigt zu werden“ (Lk 16, 21)

Es fällt nichts Essbares vom Tisch des Reichen. Armut in Deutschland ist politisch gemacht und ist ökonomisch gewollt. Deutschland ist ein reiches Land und befindet sich auf dem Höhepunkt der Reichtumsentwicklung. Vom Reichtum fällt nichts für die Armen ab. Umgekehrt: Die Politik hat mit den sog. Hartz-Reformen  einen Niedriglohnsektor geschaffen. Hartz IV verschlechtert die Situation für Arbeitslose und öffnete den Weg für einen Niedriglohnsektor. 

Man verweist auf die sinkenden Arbeitslosenzahlen und verschweigt, dass die Arbeit, die wächst, Arbeit ist, von der man nicht leben kann: Leiharbeit, Minijobs, niedrig entlohnte Arbeit. Was sich jetzt als Abbau der Arbeitslosigkeit darstellt, ist die Umwandlung von arbeitslosen Armen in arbeitende Arme. Nur an deren Armut hat sich nichts geändert. Die Politik hat für die Lazarusse allenfalls ein Brosamen übrig. Von dem Brosamen mit Namen Hartz IV wird man nicht satt. Hartz IV ist staatlich verordnete Unterversorgung, wie jüngst das Sozialgericht in Berlin bestätigt hat. Die Diakonie hat eine alternative Regelsatzberechnung vorgelegt und belegt: Statt dem regierungsamtlichen Regelsatz in der Höhe von 404  müsste ein ordentlich berechneter Regelsatz über 170 Euro mehr betragen! 

Armut fängt in einem reichen Land nicht dort an, wo jemand Flaschen sammelt. Armut hat damit zu tun, dass ein Teil der Bürger in diesem Land vom wachsenden Wohlstand ausgeschlossen ist. 

Nach neuesten Berechnungen besitzt das reichste 1 Prozent der Deutschen so viel wie der Rest, wie 80 Millionen. Die 36 Reichsten sind so reich wie die untere Hälfte der Menschen in Deutschland.  Es sind alles ehrenwerte Herren, so wie Jesus sie im Gleichnis beschreibt „in Purpur und feines Leinen gekleidet leben sie Tag für Tag herrlich und in Freuden“ mit ihren unverschämt hohen Boni und Millionengehältern. Die reichsten Geschwister unseres Landes, Susanne Klatten und Stefan Quandt, haben in diesem Jahr über 1 Mrd Euro und im Jahr 2016 allein 994,7 Millionen Euro an Dividenden aus ihren BMW-Aktien bezogen. Ein Durschnittsarbeiter müsste dafür 55.000 Jahre arbeiten.

Wer ohne ideologische Scheuklappen durch unsere Straßen geht und genau hinschaut, sieht: Allmählich dringt die Armut zur Mitte der Gesellschaft vor. 

Der dritte Schlüsselsatz lautet: „Auf Mose und die Propheten hören“ (Lk 16,26).

Das Urteil des Abraham ist unwiderruflich. Es lautet: Denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund.

Abraham nennt eine Lösung für das Problem der Spaltung zwischen arm und reich: „auf Mose und die Propheten hören“.  Auf Mose und die Propheten zu hören bedeutet: Prophetisch die Not anklagen; Empörung über die Not der Armen sind der erste Schritt. Doch das reicht nicht aus. Mose steht für das Recht, das biblische Sozialrecht, das nachhaltig vor Ausbeutung schützen soll. Wer arm ist, braucht keine Almosen sondern ein Recht, das ihn vor Armut schützt. Für die Bibel ist Armut eine Verletzung des Rechts der Armen. Wer Armut bekämpfen will, der muss zum Mittel des Rechts greifen. 

Armut war es zur Zeit Jesu kein Naturereignis und ist es heute auch nicht. Arme werden nicht als arme Menschen geboren, sondern sie werden in eine Armut hineingeboren und geraten in Armut. Arme Menschen sind für die Bibel aber nicht zuerst Menschen, denen materielle Güter oder bestimmte Fähigkeiten fehlen. Sie sind vor allem Menschen, denen ihr Recht vorenthalten wird. Sie sind arm, weil ihnen vorenthalten wird, worauf sie ein Recht haben, nämlich in Würde und ohne Beschämung als gleichberechtigte Mitmenschen leben zu können. Armut ist deshalb für die Bibel vor allem eine Rechtsverletzung. Doch der Gott der Bibel ist ein Gott, der den Armen Recht verschafft. Wer sich die Not der Armen zu Herzen nimmt, der sucht nach Recht und Gerechtigkeit für die Armen. 

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird im Gleichnis als eine Katastrophe für die Reichen geschildert. Diese Spaltung kann sogar im Himmel nicht rückgängig gemacht werden kann, wenn auf Erden versäumt wird, auf Mose und Propheten zu hören.. 

Die zentrale biblische Einsicht: Armut ist nicht gottgewollt, nicht Gott gemacht, sondern sie wird von Menschen gemacht, weil sie nicht auf Mose und die Propheten hören, sich nicht für das Recht der Armen einsetzen. Die befreiende Botschaft der Bibel lautet: Wer arm ist, bleibt nicht immer arm; wer reich ist, bleibt nicht immer reich. 

Immer haben Menschen von einer Gesellschaft und einer Welt ohne Armut geträumt. Auch die Bibel hat diese Hoffnung auf eine gerechte Welt ohne Armut und marginale Gruppen. Doch sie vertröstet nicht aufs Jenseits, sondern formuliert eine gerechte Rechtsordnung, in der Arme zu ihrem Recht kommen können, wenn die Menschen auf Mose und die Propheten hören. Grundüberzeugung der Bibel ist, dass die Armen nicht auf die offenen Hände barmherziger Menschen hoffen sollen. Armut zu bekämpfen bedeutet für die Bibel immer auch, die Macht der Mächtigen zu beschneiden und die Armen mit Hilfe des Rechts und einer gerechten Sozialordnung aufzurichten. Deshalb werden die Reichen in Pflicht genommen, den Reichtum des Landes zu teilen, damit er zum Segen aller werden kann. Auf Reichtum liegt Segen, wenn er geteilt, aber Unheil, wenn Reichtum nicht geteilt wird. Das Land ist nämlich von Gott reich gesegnet und für alle ist genug da. Niemand bräuchte in Armut und Not leben. Es ist genug für alle da. Deshalb ist eine andere Welt auch möglich und nötig.

Das Gleichnis will den vielen Lazarussen dieser Welt Mut machen, vor dieser Kluft, welche der Reichtum schafft und die Armen ausschließt, nicht zu resignieren. Das ist keine Vertröstung fürs Jenseits, sondern eine radikale Ermutigung, damit Arme und nicht arm bleiben und Reiche nicht reich.  Weil Armut und Not nicht durch den Mangel an Barmherzigkeit entstanden sind, sind sie nicht durch Barmherzigkeit zu beheben. Für die Armen und Notleidenden ist am Besten gesorgt, wenn es ein Recht gibt, das sie schützt. 

Was heißt es heute für uns, auf Mose und die Propheten zu hören? Fragen wir einmal direkt: Welche Kirche braucht Gott für unser Land? Welche Hoffnung haben wir für die Lazarusse unserer Zeit?

Die Armen und Benachteiligten in unserem Land brauchen Gerechtigkeit und kein Almosen. Doch solange die Politik ihre Aufgabe nicht tut, Armut in diesem reichen Land zu vermeiden, müssen wir Not vor Ort und konkret lindern und Tafeln aufbauen. Da die Armut der Vielen und der Reichtum der Wenigen aber politisch gemacht ist und nicht durch das Fehlen von Barmherzigkeit entstanden ist, kann diese Ungleichheit auch nicht durch diese Werke der Barmherzigkeit bekämpft werden. Auf Mose und die Propheten zu hören, heißt Unrecht beim Namen zu nennen, sich für das Recht der Armen einmischen und für Recht und Gerechtigkeit einzutreten.  Das aber kann sie nur, wenn sie auf „Mose und die Propheten hört“ und zu einer Gerechtigkeitsbewegung wird, welche für die sozialen Rechte der Bürgerinnen und Bürger kämpft, damit die Armut aus diesem reichen Land verschwindet, denn Arme sollte es unter euch nicht geben. Heute „auf Mose und die Propheten hören“ bedeutet für die Kirchen und ganz konkret für die AFA, eine Gerechtigkeitsbewegung zu werden, damit Menschen ein Zukunfthaben, in der die Würde eines jeden aufleuchtet, ihre Menschenrechte geachtet und alle ein gutes und gerechtes Leben führen können.

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